„Blase in Balance“
von Sabine Irmer, im VAK Verlag erschienen
Als diplomierte Arztassistentin und Yogalehrerin schätze ich Bücher, die medizinisches Wissen mit praktischen, alltagstauglichen Übungen verbinden. „Blase in Balance“ von Sabine Irmer behandelt ein Thema, das oft tabuisiert wird, aber entscheidend für unsere Lebensqualität ist: die Balance von Blase und Beckenboden im täglichen Leben.
Sehr gelungen finde ich die klar formulierten, leicht umsetzbaren Tipps für Alltag und Sport – ideal für Patientinnen, die nicht lange theoretisieren möchten. Die Grundlagen der Anatomie und die Funktion der Blase werden verständlich erklärt, gefolgt von Übungen, die sich gut in einen Wochenplan integrieren lassen.
Besonders spannend fand ich das Uro-Gyn-Puzzle, anhand dessen die Autorin beschreibt, wie wichtig ein ganzheitlicher Blick auf die Problematik ist. Um nicht zu viel vorwegzunehmen: Sie beschreibt in diesem Konzept unter anderem neun Puzzleteile wie Muskelpartien, Körperhaltung, Beweglichkeit verschiedener Körperregionen, den Zusammenhang mit dem Parasympathikus, Stimme und Zwerchfell sowie die Durchblutung der Beine. Das Zusammenspiel aller Puzzleteile ist nötig, um gesund zu bleiben sowie Blase und Beckenboden in Balance zu halten.
Als Yogalehrerin sehe ich klare Parallelen zu Atemtechnik, Beckenbodenübungen und bewusster Entspannung. Die Ansätze lassen sich gut in eigene Sequenzen integrieren, um Blasen- und Beckenbodenbelastungen sanft zu reduzieren.
Der Hauptfokus liegt auf der Prävention: Frühzeitige Hinweise zu Lebensstilfaktoren, Körperhaltung und Stressmanagement helfen, Beschwerden vorzubeugen, statt erst bei Problemen oder Dysharmonien zu reagieren.
Ein kleiner Kritikpunkt meinerseits: Da Blasenprobleme sehr vielfältig sind, könnte ich mir vorstellen, dass für manche Leserinnen und Leser fallbasierte Beispiele oder Checklisten wünschenswert wären, um einzelne Ursachen besser differenzieren zu können.
Was mir jedoch sehr positiv aufgefallen ist: Am Ende des Buches werden alle Übungen aufgelistet, sodass sie sehr schnell und einfach nachgeschlagen werden können. Auch ein Rezept für einen Blasen- und Nierentee sowie eine Tabelle zur Führung eines eigenen Blasenprotokolls sind enthalten. So können sich Leserinnen und Leser eigenständig mit dem Thema auseinandersetzen, bevor sie gegebenenfalls Fachpersonal aufsuchen.
Für mich persönlich ist „Blase in Balance“ ein zugängliches, praxisorientiertes Buch, das medizinisch fundierte Informationen mit alltagstauglichen Übungen verbindet. Es eignet sich hervorragend als Begleiter für Patientinnen und Patienten sowie für alle, die ihre Beckenbodengesundheit proaktiv stärken möchten. Ein wertvoller Beitrag, der Mut macht, dieses leider immer noch tabuisierte Thema offen anzusprechen und konkret zu handeln.
Kerstin Burtscher
(dipl. Arztassistentin, Kräuterpädagogin, Freizeitpädagogin, Kinder- und Teenieyogalehrerin)